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24-Stunden-Pflege ohne Agentur: Vorteile, Risiken und Aufwand

16. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen




Eine 24-Stunden-Pflege ohne Agentur zu organisieren, klingt zunächst einmal verlockend. Man spart sich die Agenturkosten, kann sich die Betreuungskraft selbst aussuchen und vereinbart vieles direkt miteinander.


Und ja: Grundsätzlich ist es möglich, eine 24-Stunden-Pflege privat zu organisieren. Gerade wenn man bereits eine gute Betreuungskraft kennt, stellt sich schnell die Frage: Wozu brauche ich eigentlich noch eine Agentur?


Die Antwort darauf merkt man meistens nicht dann, wenn alles gut läuft. Sondern erst, wenn etwas nicht nach Plan läuft.


Kann man eine 24-Stunden-Pflege privat organisieren?

Ja. Familien können selbst nach einer Betreuungskraft suchen und eine 24-Stunden-Pflege ohne Agentur organisieren.


Dabei muss allerdings zuerst geklärt werden, in welcher Form die Betreuungskraft tätig sein soll. Gerade beim Thema „24-Stunden-Pflege privat anstellen“ werden unterschiedliche Modelle schnell miteinander vermischt.


Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob eine Betreuungskraft tatsächlich angestellt wird oder als selbstständige Personenbetreuerin tätig ist. Je nach Modell entstehen unterschiedliche Pflichten rund um Anmeldung, Sozialversicherung, Verträge und Abgaben. Auch bei der Förderung der 24-Stunden-Betreuung macht es einen Unterschied, ob selbstständige oder angestellte Betreuungskräfte beschäftigt werden.


Wer seine 24h-Pflege ohne Agentur organisiert, muss sich mit diesen Unterschieden selbst auseinandersetzen und darauf achten, dass das gewählte Modell korrekt umgesetzt wird.


Der offensichtlichste Vorteil: Man spart sich die Agenturkosten

Der größte Vorteil einer 24-Stunden-Pflege ohne Agentur liegt auf der Hand: Die Vermittlungs- und Organisationskosten einer Agentur fallen weg.


Wer bereits verlässliche Betreuungskräfte kennt, Erfahrung mit der Organisation hat und weiß, worauf zu achten ist, kann dadurch durchaus Geld sparen.


In der Praxis besteht eine 24-Stunden-Betreuung allerdings selten aus einer einzigen Betreuungskraft. Die meisten Betreuungskräfte arbeiten in einem Turnus und wechseln sich regelmäßig ab. Man braucht also zumindest zwei Personen, die zuverlässig sind und zur betreuten Person passen.


Und ab diesem Punkt wird aus „Wir organisieren das einfach selbst“ schnell laufende Organisation.


Was passiert, wenn eine Betreuungskraft plötzlich ausfällt?

Solange alles läuft, ist eine privat organisierte 24-Stunden-Pflege vergleichsweise unkompliziert: Die Betreuungskraft kommt wie vereinbart, der Wechsel funktioniert und alle sind zufrieden.


Aber was passiert, wenn sie zwei Tage vor der geplanten Anreise krank wird? Wenn sie plötzlich nicht mehr nach Österreich kommen kann? Wenn sie nach diesem Turnus nicht mehr weitermachen möchte? Oder wenn man nach wenigen Tagen merkt, dass es zwischen der Betreuungskraft und der betreuten Person überhaupt nicht funktioniert?


Dann braucht man Ersatz und meistens nicht irgendwann, sondern schnell.


Bei einer 24-Stunden-Pflege ohne Agentur liegt diese Suche vollständig bei der Familie. Im schlimmsten Fall beginnt die Suche innerhalb weniger Tage wieder von vorne.


Eine seriöse Vermittlungsagentur verfügt dagegen über ein Netzwerk an Betreuungskräften und kann bei einem Ausfall oder notwendigen Wechsel reagieren. Gerade bei einer 24h-Pflege ist das ein Punkt, der häufig unterschätzt wird.


Denn die Betreuung muss auch dann weitergehen, wenn eine einzelne Betreuungskraft ausfällt.


Eine passende Betreuungskraft ist mehr als eine freie Betreuungskraft

Nur weil jemand verfügbar ist, heißt das noch lange nicht, dass die Person für jeden Haushalt geeignet ist.


Wie gut sind die Deutschkenntnisse? Gibt es Erfahrung mit Demenz? Kann die Betreuungskraft mit einem Rollstuhl oder Patientenlifter umgehen? Ist ein Zwei-Personen-Haushalt in Ordnung? Gibt es Haustiere? Wie selbstständig ist die betreute Person noch?


Und dann gibt es noch einen Punkt, den man auf keinem Lebenslauf wirklich beurteilen kann: Passen die Menschen überhaupt zusammen?


Schließlich verbringt die Betreuungskraft mehrere Wochen mit der betreuten Person unter einem Dach.


Unsere Aufgabe als Agentur besteht deshalb nicht darin, einfach irgendeine verfügbare Betreuungskraft zu schicken. Wir versuchen bereits im Vorfeld möglichst genau einzuschätzen, wer zur jeweiligen Situation und zur Familie passen könnte.


Natürlich gibt es auch dann keine Garantie dafür, dass zwei Menschen miteinander harmonieren. Aber je genauer vorher ausgewählt wird, desto geringer ist das Risiko, dass nach wenigen Tagen bereits der nächste Wechsel notwendig wird.


Anmeldung, Verträge, Förderung und laufende Organisation

Wer eine 24-Stunden-Betreuung privat organisiert, übernimmt auch die Formalitäten selbst.


Bei selbstständigen Personenbetreuungskräften betrifft das unter anderem das Gewerbe, die Sozialversicherung, Verträge und gegebenenfalls notwendige Änderungen während der laufenden Betreuung.


Auch um die Förderung der 24-Stunden-Betreuung muss man sich selbst kümmern. Es muss geprüft werden, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, welche Unterlagen benötigt werden und welcher Antrag für das jeweilige Betreuungsmodell erforderlich ist. Ändert sich etwas an der Betreuung, kann das wiederum Auswirkungen auf die Förderung haben.


Eine Agentur nimmt einer Familie also nicht nur die Suche nach einer Betreuungskraft ab. Sie begleitet auch bei vielen organisatorischen Fragen, die rund um eine 24-Stunden-Betreuung entstehen.


Und damit ist die Arbeit noch nicht erledigt.


Wann findet der nächste Wechsel statt? Wer organisiert die Anreise? Was passiert, wenn sich ein Termin verschiebt? Sind alle Unterlagen aktuell? Wer kümmert sich darum, wenn eine neue Betreuungskraft beginnt?


Das sind viele kleine Dinge, die im Alltag kaum auffallen, solange jemand sie erledigt.


Und wen fragt man eigentlich, wenn man sich bei etwas nicht sicher ist?

Dieser Punkt wird bei einer 24-Stunden-Pflege ohne Agentur gerne vergessen: Es fehlt ein neutraler Ansprechpartner.


Nehmen wir ein ganz alltägliches Beispiel: Die Betreuungskraft möchte plötzlich ein höheres Honorar. Vielleicht begründet sie es mit einem gestiegenen Betreuungsaufwand oder sagt, dass für bestimmte Tätigkeiten oder Feiertage zusätzlich bezahlt werden muss.


Ist das berechtigt? Ist das üblich? Muss man darauf eingehen?


Oder es gibt Unklarheiten bei einer Rechnung, der Sozialversicherung, der Förderung, dem nächsten Turnus oder den Aufgaben, die eine Betreuungskraft übernehmen darf.


Wer die 24-Stunden-Betreuung privat organisiert, muss solche Situationen selbst beurteilen und direkt mit der Betreuungskraft klären.


Mit einer seriösen Agentur gibt es jemanden, den man anrufen und einfach fragen kann: Ist das so richtig? Ist das üblich? Wie sollen wir damit umgehen?


Und dieser Ansprechpartner ist nicht nur für die Familie da. Auch die Betreuungskraft kann sich an die Agentur wenden, wenn es Schwierigkeiten im Haushalt, Unklarheiten oder Fragen zum Einsatz gibt.


Das ist nicht unwichtig. Schließlich leben Betreuungskraft und betreute Person über Wochen miteinander. Nicht jede Unstimmigkeit sollte direkt zwischen diesen beiden Seiten ausgetragen werden müssen.


Manchmal braucht es schlicht jemanden dazwischen, der die Situation kennt und vermitteln kann.


Auch die rechtliche Seite sollte man nicht unterschätzen

Besonders wichtig wird das Thema, wenn Betreuung und Pflege ineinandergreifen.


24-Stunden-Betreuung ist nicht dasselbe wie medizinische Hauskrankenpflege. Nicht jede Tätigkeit darf von einer Betreuungskraft einfach durchgeführt werden. Für bestimmte pflegerische oder ärztliche Tätigkeiten gelten besondere Voraussetzungen und Vorgaben.


Eine seriöse Agentur sollte deshalb nicht nur Betreuungskräfte vermitteln, sondern auch darauf achten, dass die Betreuung korrekt organisiert ist und die jeweiligen Zuständigkeiten klar sind.


Wer seine 24-Stunden-Betreuung ohne Agentur organisiert, muss sich mit diesen Fragen selbst auseinandersetzen und darauf achten, dass die notwendigen Rahmenbedingungen eingehalten werden.


Wann kann eine 24-Stunden-Pflege ohne Agentur gut funktionieren?

Es gibt durchaus Situationen, in denen die private Organisation gut funktionieren kann.


Wer bereits zwei verlässliche Betreuungskräfte kennt, mit ihnen vielleicht schon länger zusammenarbeitet, Erfahrung mit der Organisation hat und bereit ist, sich selbst um Verträge, Anmeldung, Förderung, Wechsel und mögliche Ausfälle zu kümmern, braucht nicht zwingend eine Vermittlungsagentur.


Eine 24-Stunden-Betreuung ohne Agentur ist also nicht automatisch eine schlechte Lösung.


Man sollte sich nur bewusst sein, was man mit den Agenturkosten eigentlich bezahlt.


Es geht nicht nur darum, eine Telefonnummer einer Betreuungskraft zu bekommen.


Eine gute Agentur sucht geeignete Betreuungskräfte, organisiert Wechsel und Vertretungen, unterstützt bei Formalitäten und Förderungen und bleibt während der laufenden Betreuung Ansprechpartner – auch dann, wenn plötzlich eine Frage auftaucht oder etwas nicht funktioniert.


Unser Fazit

Eine 24-Stunden-Pflege ohne Agentur kann günstiger sein. Vor allem dann, wenn bereits passende Betreuungskräfte vorhanden sind und die Familie die gesamte Organisation selbst übernehmen kann und möchte.


Wer allerdings erst eine private Pflegekraft suchen muss, sich mit den organisatorischen und rechtlichen Anforderungen nicht auskennt oder im Fall eines Ausfalls schnell Ersatz benötigt, sollte den tatsächlichen Aufwand nicht unterschätzen.


Denn eine gute Agentur zeigt ihren Wert nicht unbedingt in den Wochen, in denen alles problemlos läuft. Sondern meistens genau dann, wenn es das nicht tut.

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